Von gelben Balken und faulen Ausreden

3. April, 19:50: Großer Applaus brandet auf der Mitgliederversammlung auf. Soeben hat ein Mitglied sich nach der Möglichkeit einer Trikot-Sonderedition ohne „gelben Balken“ erkundigt und damit die Mehrheit der anwesenden Mitglieder auf seine Seite gezogen.

Noch ehe sich der Applaus für die Frage wirklich legen kann, antwortet Max Eberl, dass ein Trikot ohne gelbes Postbanklogo nicht möglich ist. „Wenn wir deswegen Christensen nicht bekämen – wäre es euch das dann auch wert?“ fragt er rhetorisch zurück in die Menge.

Bemerkenswert, wie viel Geld der FC Chelsea offenbar für eine Verlängerung der Leihe von Andreas Christensen verlangt, wenn das Vorhaben trotz eines Jahresüberschusses von 26 Mio. Euro an der Veröffentlichung eines Fan-Trikots ohne gelbe Postbankwerbung zu scheitern droht…

Yoo
Schön geht anders: Der „gelbe Balken“ unterhalb der Raute auf dem eigentlich gelungenen Heimtrikot 15/16. 

Nicht ganz lässt mich der Eindruck los, dass die Mitglieder in dieser Frage mit Totschlagargumenten und Floskeln abgespeist werden, weil es auf Seiten der Verantwortlichen schlichtweg für zu unbequem erachtet wird, eine fanfreundliche Lösung in der Trikotfrage zu erwirken.

So verwies Stephan Schippers im Herbst 2012 auf die Sponsorenfarbe angesprochen bereits auf die pünktlichen Zahlungen der Postbank und die „gute Partnerschaft“ zwischen Borussia und Postbank. Frei nach dem Motto: „Die Postbank ist so ein guter Partner, die dürfen wir nicht einmal um Konzessionen bitten.“

Acht Jahre lang ist die Postbank nun Borussias Hauptsponsor. Acht Jahre lang ziert der als „gelber Balken“ verrufene Postbank-Schriftzug schon die Trikots der Borussia. Acht Jahre lang trägt Borussia damit die wohl unästhetischste Trikotwerbung der gesamten Bundesliga.

Gewiss: Die Postbank kam Borussia 2009 in einer schwierigen Phase zur Hilfe und hat sich als treuer, guter Hauptsponsor erwiesen. Doch auch Borussia ist in den acht Postbank-Jahren gewachsen, ist anno 2017 selbst eine erheblich mächtigere Marke als noch 2009.

Zeit, von der Postbank ein Entgegenkommen einzufordern: idealerweise in Form einer Farbanpassung spätestens auf den neuen Puma-Trikots; zumindest aber durch das Erscheinen einer Fan-Trikot-Edition mit farbneutralem Postbank-Schriftzug. Das ist Borussia nicht nur den Fans, sondern auch sich selbst schuldig.

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3 Gedanken zu “Von gelben Balken und faulen Ausreden

  1. BökelBlog 5. April 2017 / 2:28

    Eine Trikot-Fan-Edition gab es beispielsweise beim VfL Bochum, wo das Netto-Logo mehrere Jahre in weiß auf dem Heimtrikot prangte, ehe man sich dazu entschied in „Booster“ für eine farblich passende Eigenmarke von Netto zu werben.

    http://vfl-bochum.de/site/_mehrvfl/_76_news/6684_nettoundvflpraesentierenfan-trikotp.htm

    Von der erwartbaren Verkaufssteigerung könnten am langen Ende auch Borussia und sogar die Postbank profitieren.

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  2. Bene 5. April 2017 / 14:24

    Vor einigen Jahren gab es eine Zeit bei der Borussia, in der man dem Hauptsponsor in jeglicher Hinsicht entgegenkommen musste. Schade, dass die Postbank auch damals schon zu wenig Fingerspitzengefühl besaß, um die mit Gladbach verbundene Werbekampagne farblich und vielleicht sogar im Logo anzupassen. Von einer stilsicheren Einbdinung profitieren nicht nur der Verein – auch der Sponsor. Er wird in die Nähe zu dem Verein gerückt, für dessen aktuellen Erfolg und Historie man stehen möchte.

    Aktuell sieht das Postbank-Logo aus wie ein Fremdkörper auf dem Gladbachtrikot. Das kann eigentlich nicht im Interesse einer der beiden Parteien sein. Für mich wirkt es, als wären die Verantwortlichen im Marketing der Postbank nicht flexibel genug. Was für einen Werbeeffekt es bei den Gladbachfans hätte, die es in der ganzen Republik zahlreich gibt, wenn die Postbank ihren Schriftzug neutraler gestalten würde.

    Wie es richtig geht, zeigte meiner Meinung nach die Targobank bei Werder Bremen von 2007-2012. Ein farblich zum Trikot neutral gewähltes Logo (das nicht dem tatsächlichen entspricht). Zusätzlich nutzte man die Trikotfläche dann auch noch zeitweise statt Logo mit dem Spruch „So geht Bank heute“ in einer Kampagne sehr gewieft. Immer wieder gingen „lustige Bilder“ der Werderbank mit diesem Spruch auf der Brust durch’s Internet, als hätte das niemand kalkuliert. War es aber und es hat fantastisch funktioniert.

    Eine Fan-Trikot-Edition hielte ich aktuell für die einzige Möglichkeit, für die Fans der Borussia ein tragbares Trikot zu bekommen. Beim VfL Bochum war es allerdings vor allem die Bereitschaft des Sponsors, die dies möglich machte. Ohne die Postbank wird nichts zu machen sein.

    Für die kommenden Jahre gilt es für die Borussia sich zu emanzipieren und entweder einen besseren Deal mit der Postbank auszuhandeln (etwa ein zurückhaltenderes Trikotlogo) oder sich einen neuen Sponsor zu suchen, der sich nicht vor den Verein drängeln möchte, weil er sich als wichtiger erachtet, sondern als gleichberechtigter Partner des Vereins gesehen werden möchte. So wie die Targobank bei Werder vor ein paar Jahren. An der Stelle muss ein Verein selbstbewusst genug und sich seiner eigenen Wertigkeit klar sein.

    Das war 2009 natürlich nur schwer möglich.

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  3. Rainer Schweder 3. Juli 2018 / 21:21

    Wenn kein Deal mit der Postbank zustandekommt, sollte man sich einen anderen Trikotsponsor suchen. Die Schönheit eines Trikots ist nicht mit Geld zu bezahlen.
    Borussia sollte mal ein Beispiel geben und auf die Macht des Geldes verzichten.

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